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Olgiati Rodolfo

*30.6.1905 Lugano

+31.5.1986 Bern

Origin of the text
Fridolin Trüb: Dem Frieden entgegen, 30 Geschichten und eine halbe.
St.Gallen (2009)

  

Rodolfo Olgiati

Werkplätze

1944 erschien ein Buch mit dem seltsamen Titel „Nicht in Spanien hat's begonnen."(1) Was denn? Und: Warum nicht?

Rodolfo Olgiatti with volunteer team 1937 in Burjasot (Spain)

Rodolfo Olgiati with volunteer team 1937
in Burjasot (Spain)

Der Verfasser, Rodolfo Olgiati, machts spannend. Und spannend - bedrückend und beglückend - ist denn auch, was der Autor berichtet. Es ging um die Hilfsaktion „Ayuda Suiza a los niños de España" (1937 - 1939). Rodolfo Olgiati wurde Initiant und Leiter der Hilfe für Kinder und Alte im spanischen Bürgerkrieg. Die Aktion war getragen von einer Arbeitsgemeinschaft Gutgesinnter, praktisch von Frauen und Männern des Zivildienstes, des Arbeiterhilfswerkes mit Regina Kägi-Fuchsmann und dem Kreis um Fritz Wartenweiler. Olgiati schrieb den Schlussbericht, auch mit dem Ziel, Leitsätze für internationale Hilfsarbeit zu gewinnen. Zugleich erinnerte er daran, dass es schon früher begonnen hatte -das Werk Pierre Ceresoles.

Und weiter dann? Olgiati, selbst Nachfolger von Ceresole als Zivildienst-Sekretär, publizierte 1944 „Überlegungen zur schweizerischen Nachkriegshilfe". Von den Quäkern wurde er nach Amerika gerufen, damit er mit ihnen Möglichkeiten der Nachkriegshilfe plane. Und dann die Überraschung: Der Schweizerische Bundesrat berief Olgiati zum Leiter der im Aufbau begriffenen „Schweizerspende", für Hilfe und Wiederaufbau. Nicht ein Diplomat, Offizier oder Manager, nein, ein erfahrener Zivildienstfreund wurde für fähig gehalten, dieses umfassende Werk zu leiten.

So kam es denn, dass ich Rodolfo wieder begegnete, als er im Winter 1946 unsere Zivildienst-Equipe in Saarbrücken besuchte.

Und dann war es Olgiati, der als einer der Ersten die Schweiz zur nächsten grossen Aufgabe animierte, zur Völkerhilfe, zur Solidarität mit den Menschen der Dritten Welt. Wegweisend wurde sein Artikel in der Tribüne der „Basler Nachrichten" vom Mai 1953: „Si vis pacem, para pacem. Kann auch die Schweiz etwas für den Frieden tun?" Mit Olgiati gehörten etliche Leute aus der Zivildienstbewegung zu den Initianten des SHAG (Schweizerisches Hilfswerk für aussereuropäische Gebiete), heute „Helvetas, Schweizer Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit"(2). .

Olgiatti (3rd from left) and Ceresole at SCI comittee meeting in Basel 1936

Olgiati (3rd from left) and Ceresole at SCI comittee
meeting in Basel 1936

In St. Gallen, wo Lisbeth und ich 1950 Wohnsitz nahmen, bildete sich um Gottlieb Roggwiller eine SHAG-Regional-gruppe, die sich besonders für Nepal einsetzte. Die beiden St. Gallerinnen Judith Baumgartner und Dr. Margrit Tobler errichteten im Bergland von Jiri ein kleines Muster-Spital. Zur Unterstützung dieser Aktion konnten wir Bevölkerung und Schulen gewinnen - und es entstand die Städte-Partnerschaft Schaffhausen - St. Gallen - Winterthur, die jährlich Berghilfe und 3. Welt-Projekte unterstützt.

Mit Rodolfo Olgiati gabs später ein Wiedersehen. Er wurde erster Leiter der Evangelischen Heimstätte Schloss Wartensee (1958 bis 1971). Rodolfo arbeitete mit Hingabe auf etlichen Werkplätzen für eine bessere Zukunft (3).

Literaturhinweise

  1. Rodolfo Olgiati / Nicht in Spanien hat's begonnen / Herbert Lang, Bern 1944
  2. Thomas Möckli / Eine bewegte Geschichte: 50 Jahre Helvetas / Zürich 2005
  3. Rodolfo Olgiati / Werkplätze einer Zukunft / Herbert Lang, Bern 1975



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